Aktuell: Kastration
Definition: Kastration - Sterilisation
Die Kastration ist eine Operation, bei der die Keimdrüsen entfernt werden. Bei weiblichen Tieren sind das die Eierstöcke (Ovarien) und bei männlichen Tieren die Hoden (Testes). Bei Kätzinnen reicht es die Eierstöcke zu entfernen, nicht so bei der Hündin. Bei ihr müssen die Eierstöcke, der Eileiter und die ganze Gebärmutter (Uterus, Uterushörner) bis zum Gebärmutterhals (Cervix) entfernt werden. Oft hört man Leute von Sterilisation sprechen. Darunter versteht man jedoch eine Herbeiführung der Unfruchtbarkeit durch einen chirurgischen Eingriff, bei dem die Ei- bzw. Samenleiter unterbrochen werden. Gonaden und Libido bleiben erhalten, was sicher nicht in unserem Interesse liegt.
1. Die Kastration ist ein emotional behaftetes Thema - wie stehen Sie dazu?
Die Sexualität der Tiere ist nicht mit unseren romantischen Vorstellungen zu vergleichen - sie dient ausschließlich der Fortpflanzung und damit der Arterhaltung. Geschlechtsreife Tiere sind hormongesteuert und verfolgen nur dieses eine Ziel, koste es was es wolle. In unserer Gesellschaft ist es zu gefährlich, diesen Tieren bedingungslose Freiheit einzuräumen, denn das Aggressionsverhalten führt zu Kämpfen und die Unfallgefahr ist zu hoch. Aus diesem Grund bin ich für eine Frühkastration. Das ist eine Kastration vor Eintritt der Geschlechtsreife.
2. Die öffentliche Meinung
Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie die Kastration. Zum Nachteil der Tiere wird diese Diskussion meist sehr emotional und oft ohne Kenntnis der Sachlage geführt. Die Verwirrung unter den Tierhaltern ist groß und nachfolgende Argumente immer noch häufig: "Die Tiere sollen sich ausleben können, Hündin und Katze wenigstens einmal Kinder bekommen und Rüden und Kater mögen ihren Spaß haben..." Das Tierheim ist voll mit diesen Tieren!!!
3. Vor- und Nachteile der Kastration für das Tier bzw. seinen Besitzer
Beginnen wir mit den Vorteilen: Vorteile wie das Vermeiden hygienischer Unannehmlichkeiten durch den blutigen Läufigkeitsausfluss und das Ausschließen von ungewolltem Nachwuchs liegen auf der Hand. Die medizinischen Aspekte sollten hier jedoch im Vordergrund stehen. Gerade bei Hündinnen, die nach der Läufigkeit zu Scheinträchtigkeit mit Verhaltensproblemen und gesundheitlichen Gefahren neigen, empfiehlt sich die Kastration.
Eine Kastration beugt vor bei:
- Diabetes mellitus tritt signifikant weniger oft bei kastrierten Hündinnen auf
- Erkrankungen der Eierstöcke (Tumoren / Zysten)
- Erkrankungen des Gesäuges (Mammatumoren / Brustkrebs)
- Gebärmuttervereiterung, die nach jeder Läufigkeit auftreten kann
- geringeres Risiko von Infektionen und Erkrankungen (wie Herpes CHV-1, Bruzellosis / bei der Katze: FeLV und FIV)
- hormoneller Stress der Läufigkeit entfällt, was sich vorteilhaft auf die Psyche der Hündin auswirkt
- Myomen / Fibromen der Gebärmuttermuskulatur
- Polypen der Gebärmutterschleimhaut
- weniger Aggression - keine Paarungsverletzungen und Kampfverhalten
Die Tiere werden ausgeglichener, konzentrierter und selbstbewusster. Eine starke Menschbezogenheit zeichnet sich aus. An Temperament und Bewegungslust verlieren sie auf keinen Fall. Die kastrierte Hündin bleibt vom Verhalten her eher "jung", was sich in erhöhter Anhänglichkeit und Verspieltheit bis ins hohe Alter ausdrückt - also angenehme und wünschenswerte Eigenschaften. Der Umgang mit Artgenossen wird damit auch unkomplizierter. Die Lebenserwartung von frühkastrierten Hündinnen liegt 2 Jahre über der von unkastrierten Tieren. Meine Empfehlung ist daher weibliche Tiere mit 6 Monaten zu kastrieren - vor der ersten Läufigkeit. Der Hormonspiegel konnte die Milchdrüsen noch nicht in Richtung Krebs beeinflussen und die Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken ist nahezu 0% (0 - 0,5%). Bei der Kastration nach der ersten Läufigkeit steigt das Risiko bereits auf 8%. Nach der zweiten Läufigkeit kommt es bei jeder vierten unkastrierten Hündin zu Mammatumoren. Eine Kastration nach der dritten Läufigkeit hat dann leider keinen Einfluss mehr auf das spätere Brustkrebsrisiko.
Es kann aber auch Nachteile geben, dazu gehören:
- Durch eine bessere Futterverwertung kommt es leicht zu Übergewicht, wenn verringerte Tagesportionen nicht eingehalten werden.
- In 10 - 20% aller Fälle kann es durch hormonell bedingte Bindegewebsschwäche zum Harnträufeln (Inkontinenz) kommen, was jedoch gut mit Medikamenten ausgeglichen werden kann.
- Bei einigen Rassen kann sich das Fell verändern. Betroffen sind davon vorwiegend lang- und feinfellige Hunde mit rotem Fell (Irisher Setter, Cocker Spaniel und roter Langhaardackel). Wollhaare treten in den Vordergrund - es entwickelt sich ein "Babyfell".
4. Lassen sich Erziehungsdefizite durch das Skalpell ausgleichen?
Es gibt verantwortungsbewusste Tierbesitzer, die sich viel Mühe mit ihrem Tier geben. Meist sieht die Alltagssituation allerdings anders aus; die Arbeit einen jungen Hund zu erziehen wird unterschätzt, bis die Situation bei unerfahrenen Tierbesitzern entgleist. Die Alpharolle ist schon längst abgetreten worden und das Tier gerät außer Kontrolle. Auch eine Kastration wird hier den gewünschten Erfolg nicht bringen können.
5. Nach dt. Tierschutzgesetz muss nicht kastriert werden, wenn keine medizinische Indikation vorliegt - wie sieht das in Österreich oder den USA aus?
Das österreichische Tierschutzgesetz ist sehr fortschrittlich in dieser Hinsicht: Lediglich Tiere, die zur Zucht ausgewählt wurden, müssen nicht kastriert werden. Ansonsten wird es als Tierquälerei betrachtet sich unkastrierte Tiere zu halten. Wir können und dürfen ihnen das Leben mit Hormonen nicht erlauben, weil es zu gefährlich für die Öffentlichkeit ist. Der hohe Hormonspiegel macht unsere Lieblinge unberechenbar und meist reiht sich Frust an Frust - eine unerfreuliche Entwicklung für Mensch und Tier.
Situation in den USA: Frühkastrationen gehören dort zum Standartprogramm, privat als auch vom Tierheim aus. Nur kastrierte Tiere dürfen abgegeben werden, was bedeutet, dass Welpen bereits mit 6-8 Wochen kastriert werden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Keimdrüsen noch nicht voll entwickelt und damit ist diese Operation ein wesentlich leichterer Eingriff, und wird vom Tier besser toleriert. Da die Narkose kürzer und damit weniger belastend für den Patienten ist, kommt es auch weniger oft zu Komplikationen oder Blutungen. Die Hündin oder Kätzin ist schneller wieder fit.
6. Hat eine Frühkastration eventuelle Auswirkungen auf die Entwicklung des Hundes?
Als Argument gegen die Frühkastration wird immer wieder angeführt, dass die Skelettentwicklung des Hundes frühzeitig gestoppt wird. Wissenschaftliche Studien widerlegen jedoch diese verbreitete Fehlmeinung und bestätigen, dass früh kastrierte Hunde genauso groß werden wie ihre kastrierten Wurfgeschwister. Die Gene bestimmen wie groß wir werden - nicht die Hormone!
7. Kastration - eine aktive Tierhilfe? Ist das ein Statement, das sie unterschreiben würden?
Noch immer werden ungewünschte Tierkinder ertränkt oder einfach in einer Mülltonne entsorgt, aus der klägliche Stimmen zu hören sind, bis sie die Erschöpfung für immer zum Schweigen bringt. Mit der Kastration verhindern wir viel Elend und eine Multiplikation von Leiden. Die Tierheime sind überfordert, weil zu wenig kastriert wird. Aktiver Tierschutz kann nur mit einem gezielten Kastrationsprogramm durchgeführt werden. Erlauben wir es den Tieren sich weiterhin ungezügelt fortzupflanzen, machen wir unsere eigene Arbeit zunichte. Um das zu veranschaulichen möchte ich ihnen zum Schluss die Katzenpyramide vorstellen. Nimmt man an, ein Katzenpaar bekommt im Jahr zweimal Nachwuchs und jeweils 3 Kätzchen pro Wurf überleben, dann ergibt das nach 10 Jahren über 80 Millionen!!! Nachkommen.

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